„Thrombose-Gefahr steigt im Homeoffice“

Dr. (C) Liliam Neumann

Dr. (C) Liliam Neumann

Interview mit Dr. Liliam Neumann, Venenspezialistin des Capio MVZ Klinik im Park in Velbert

Eine Thrombose - das ist ein unerwünschtes Blutgerinnsel, das sich zum Beispiel in einer Vene bilden kann. Schmerzhafte Entzündungen bis hin zu einer potentiell tödlichen Lungenembolie können die Folge sein. Dr. (C) Liliam Neumann, Venenspezialistin des Capio MVZ Klinik im Park in Velbert, erklärt, warum in Zeiten des Homeoffice und verringerten Sportangeboten die Thrombose-Gefahr steigt und bei welchen Anzeichen man unverzüglich einen Arzt aufsuchen sollte.

Warum gehen Sie derzeit von einer erhöhten Thrombose-Gefahr aus?

Dr. Liliam Neumann: Die Thrombose-Gefahr steigt im Homeoffice. Denn von zuhause aus zu arbeiten, bedeutet meist weniger Bewegung. In wenigen Schritten geht es vom Küchentisch zum Schreibtisch. Der Weg vom Parkplatz oder von der Bushaltestelle zum Büro entfällt. Im Homeoffice bleibt man bei Video-Konferenzen einfach sitzen, auf der Arbeit wäre man in den Konferenzraum gewechselt. Zudem sind derzeit aufgrund der Schutzmaßnahmen viele Sportangebote nur eingeschränkt möglich. Wenig Bewegung erhöht die Thrombose-Gefahr, weil das Blut in den Venen ohne Muskelunterstützung schlechter transportiert wird.

Gibt es Risikogruppen, die besonders vorsichtig sein sollten?

Besonders gefährdet sind Menschen, die kurz zuvor operiert wurden oder längere Zeit im Krankenhaus liegen müssen. Auch Menschen über 60 Jahre, Übergewichtige, Raucher und Frauen, die die Anti-Baby-Pille einnehmen, haben ein erhöhtes Thrombose-Risiko. Gleiches gilt bei einer familiären Neigung zu Thrombosen und bei vorhandenen, unbehandelten Krampfadern.

Bei welchen Symptomen ist ein Arztbesuch notwendig?

Zeitnah ärztlich abgeklärt werden sollten zum Beispiel Schwellungen am Fußknöchel, am Unterschenkel oder am gesamten Bein. Die Haut kann spannen und sich rot oder blau verfärben. Das betroffene Bein ist wärmer als das andere, beim Auftreten schmerzt die Wade. Bei Atemnot sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden oder ein Rettungswagen gerufen werden. Denn dies kann auf eine Lungenembolie hinweisen.

Derzeit scheuen allerdings viele Patienten den Gang zum Arzt, offenbar aus Angst vor einer eventuellen Ansteckung mit COVID-19. Wir sehen deutlich weniger Patienten mit akuten Venenprobleme als üblich. Dabei kann eine Verschleppung ernste Folgen haben. Wandert das Gerinnsel bis in die Lunge, kann es ein Blutgefäß in der Lunge verstopfen – eine nicht behandelte Thrombose kann tödlich enden.

Bei uns in der Praxis gelten selbstverständlich seit einigen Monaten verstärkte Sicherheits- und Hygienemaßnahmen. Hinzu kommt: Wir sind auf die Behandlung von Venenpatienten spezialisiert, akute Infekte gehören nicht zu unserem Behandlungsspektrum. Wer erkältet ist, sollte immer anrufen statt vorbeizukommen.

Wie werden Thrombosen behandelt?

Thrombosen werden mit Kompression des betroffenen Beines, Heparin-Spritzen oder mit Tabletten behandelt. Diese Behandlung wird in der Regel ambulant durchgeführt.

Gibt es neben möglichen Thrombose-Anzeichen weitere Gründe für einen Besuch beim Venenspezialisten?

Ja. Wenn zum Beispiel abends nach einem langen Tag die Knöchel oder Beine geschwollen sind, wenn sich die Haut an den Beinen verfärbt oder Krampfadern sichtbar sind, sollten die Venen per Ultraschall untersucht werden. Gleiches gilt, wenn Venenleiden in der Familie vorkommen oder Besenreiser – kleine, rötlich-bläuliche Verästelungen auf der Haut – sichtbar sind. Je eher Venenleiden erkannt werden, desto einfacher ist die Behandlung. Und mögliche Folgen wie zum Beispiel eine schmerzhafte Venenentzündung oder eine Thrombose können so verhindert werden.


Kontakt:
Capio MVZ Klinik im Park Velbert
Dr. (C) Liliam Neumann
Oststraße 38
42551 Velbert
Tel.: 02051 / 520 80

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